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Was zahlt die Rechtsschutzversicherung? Leistungen und Grenzen

Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten, wenn Sie Ihr Recht durchsetzen oder sich gegen unberechtigte Ansprüche wehren müssen. Klingt einfach - ist es im Grundsatz auch. Aber: was genau abgedeckt ist, wie der Ablauf bis zur Kostenübernahme funktioniert und wo die Grenzen liegen, wissen viele erst, wenn es darauf ankommt. Dieser Ratgeber erklärt es im Voraus.

1. Was die Rechtsschutzversicherung übernimmt

Im Kern stellt eine Rechtsschutzversicherung sicher, dass Kosten rund um einen Rechtsstreit nicht allein bei Ihnen landen. Die versicherten Kostenpositionen umfassen typischerweise folgende Bereiche - jeweils im Rahmen der erteilten Deckungszusage und der vertraglich vereinbarten Deckungssumme.

Anwaltskosten

Die Vergütung Ihres Anwalts ist die zentrale Leistung. In Deutschland richtet sie sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) und hängt vom Streitwert des Falls ab. Die Versicherung übernimmt die gesetzlichen Gebühren für Beratung, Schriftverkehr, Verhandlung und Gerichtsvertretung - nach Deckungszusage und bis zur vereinbarten Deckungssumme. Wichtig: Sie haben bei einer Rechtsschutzversicherung grundsätzlich freie Anwaltswahl. Sie entscheiden, wen Sie beauftragen.

Gerichtskosten

Kommt es zur Klage, fallen Gerichtsgebühren an - nach dem Gerichtskostengesetz (GKG), ebenfalls streitwertabhängig. Diese müssen in der Regel vom Kläger vorab eingezahlt werden. Die Rechtsschutzversicherung streckt diese Kosten vor und übernimmt sie im Rahmen der Deckungszusage.

Sachverständigen- und Zeugenkosten

In manchen Verfahren sind Gutachter oder Zeugen nötig - etwa bei Baumängeln, Unfallschadensbewertungen oder medizinischen Fragen. Die dafür anfallenden Kosten können ebenfalls versichert sein, sofern das Gericht sie im Rahmen des Verfahrens angeordnet hat.

Gegnerische Anwaltskosten bei Unterliegen

Wer einen Prozess verliert, trägt in der Regel auch die Anwaltskosten der Gegenseite. Das ist oft der teuerste Posten - und genau deshalb einer der wichtigsten Gründe für eine Rechtsschutzversicherung. Im Rahmen der Deckungszusage übernimmt die Versicherung auch diese Position.

Mediationskosten

Viele moderne Tarife decken nicht nur gerichtliche Auseinandersetzungen ab, sondern auch außergerichtliche Verfahren wie Mediation. Das kann sinnvoll sein, wenn eine einvernehmliche Lösung schneller und günstiger ist als ein Prozess. Ob und in welchem Umfang Mediation abgedeckt ist, hängt vom konkreten Tarif ab - das klären wir gerne im Beratungsgespräch.

Strafkaution als Darlehen

Eine weniger bekannte Leistung: Wenn Sie im Ausland in Untersuchungshaft genommen werden und eine Strafkaution hinterlegt werden muss, damit Sie freigelassen werden, kann die Rechtsschutzversicherung diese Summe als zinsfreies Darlehen vorstrecken. Das Darlehen ist nach Abschluss des Verfahrens zurückzuzahlen. Diese Leistung ist nicht in jedem Tarif enthalten - prüfen Sie das gezielt, wenn Sie häufig im Ausland sind.

Anwaltskosten

Gesetzliche Gebühren nach RVG für Beratung, Schriftverkehr, Verhandlung und Gerichtsvertretung - nach Deckungszusage.

Gerichts- und Verfahrenskosten

Gerichtsgebühren nach GKG, Kosten für Sachverständige und Zeugen, die das Gericht angeordnet hat.

Gegnerkosten und Mediation

Anwaltskosten der Gegenseite bei Unterliegen, Mediationskosten für außergerichtliche Einigung - je nach Tarif.

2. Wie der Ablauf funktioniert: von der Schadenmeldung zur Deckungszusage

Viele Versicherte wissen nicht genau, was als erstes zu tun ist, wenn ein Konflikt entsteht. Die Schritte sind klar - und wenn man sie kennt, läuft es reibungslos.

Schritt 1: Schadenmeldung bei der Versicherung

Sobald ein rechtliches Problem auftaucht - nicht erst wenn es eskaliert - informieren Sie Ihre Rechtsschutzversicherung. Das geht meist telefonisch oder online über das Kundenportal. Wichtig: Melden Sie den Fall, bevor Sie Ihren Anwalt beauftragen und bevor Kosten entstehen. Andernfalls riskieren Sie, auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Schritt 2: Deckungsanfrage und Prüfung

Der Versicherer prüft, ob der gemeldete Fall vom Versicherungsschutz erfasst ist. Dabei wird geprüft: Liegt ein versicherter Rechtsbereich vor? Bestand der Konflikt bereits vor Vertragsabschluss (Vorvertraglichkeit)? Sind Standard-Ausschlüsse einschlägig? Diese Prüfung ist kein Formalismus - sie schützt alle Beteiligten vor Missverständnissen.

Schritt 3: Deckungszusage

Ergibt die Prüfung, dass der Fall versichert ist, erteilt die Versicherung eine Deckungszusage. Das ist die verbindliche Zusage, dass die anfallenden Kosten im vereinbarten Rahmen übernommen werden. Erst jetzt sollten Sie Ihren Anwalt beauftragen oder bereits gegebene Aufträge offiziell auf Versicherungskosten umstellen.

Schritt 4: Freie Anwaltswahl nutzen

Sie suchen sich Ihren Anwalt selbst aus. Die Versicherung darf Ihnen keinen bestimmten Anwalt vorschreiben. Wählen Sie jemanden, dem Sie vertrauen und der im relevanten Rechtsgebiet erfahren ist. Ihr Anwalt rechnet dann direkt mit der Versicherung ab - Sie zahlen nur Ihre vereinbarte Selbstbeteiligung.

Mehr zum Thema Kosten und was ein Rechtsstreit ohne Versicherung kostet: unser Ratgeber zu Anwalts- und Gerichtskosten.

3. Was die Rechtsschutzversicherung nicht übernimmt

Genauso wichtig wie zu wissen, was abgedeckt ist: zu verstehen, wo die Grenzen liegen. Einige Ausschlüsse sind branchenweiter Standard, andere hängen vom konkreten Tarif ab.

Vorsätzliche Handlungen

Wer bewusst gegen das Gesetz handelt oder einem anderen absichtlich Schaden zufügt, hat keinen Versicherungsschutz für die daraus entstehenden Rechtsfolgen. Das gilt für strafrechtliche Konsequenzen genauso wie für zivilrechtliche Ansprüche. Versicherungsschutz greift nur für fahrlässige oder unverschuldete Sachverhalte sowie für die Verteidigung gegen unberechtigte Vorwürfe.

Vorvertragliche Streitigkeiten

Konflikte, die bereits vor Abschluss der Versicherung bestanden, sind nicht versichert. Das ist der sogenannte Vorvertraglichkeits-Ausschluss. Er soll verhindern, dass jemand eine Versicherung erst dann abschließt, wenn ein Streit bereits schwelt. Deshalb gilt die Faustregel: früh absichern, nicht erst wenn ein Problem absehbar ist. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Wartezeit.

Familienrechtliche Streitigkeiten

Scheidungsverfahren, Unterhaltsstreitigkeiten und Sorgerechtsfragen sind in der Regel vom Privatrechtsschutz ausgeschlossen. Das ist branchenüblicher Standard - nicht eine Besonderheit einzelner Tarife. Hintergrund ist die besondere Komplexität und das hohe Streitpotenzial dieser Verfahren. Wer in Trennung oder Scheidung steckt, sollte sich über diesen Ausschluss bewusst sein.

Bußgelder und Strafen

Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt Kosten für Ihre rechtliche Verteidigung - aber nicht die verhängten Strafen oder Bußgelder selbst. Wenn Sie wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung zu 200 Euro Bußgeld verurteilt werden, zahlt die Versicherung ggf. Ihren Anwalt für die Verteidigung - aber das Bußgeld bleibt Ihre eigene Angelegenheit.

Kapitalanlagestreitigkeiten

Streitigkeiten aus Kapitalanlagen, Wertpapierkäufen und Geldanlagen sind häufig ausgeschlossen oder nur in bestimmten Tarifvarianten eingeschlossen. Wer in diesem Bereich aktiv ist und rechtlichen Schutz braucht, sollte das gezielt ansprechen - nicht stillschweigend voraussetzen, dass es gedeckt ist.

Typisch versichert
  • Streit aus Alltagsverträgen (Kauf, Handwerk, Reise)
  • Mietstreitigkeiten als Mieter
  • Arbeitgeberstreitigkeiten (Kündigung, Abmahnung)
  • Verkehrsrecht nach Unfall
  • Verteidigung gegen unberechtigte Strafvorwürfe
Typisch ausgeschlossen
  • Vorsätzliche Handlungen
  • Bereits bestehende Konflikte bei Vertragsabschluss
  • Scheidung, Unterhalt, Sorgerecht
  • Bußgelder und verhängte Strafen selbst
  • Kapitalanlagestreitigkeiten (je nach Tarif)

4. Die Selbstbeteiligung: was Sie selbst tragen

Fast alle Rechtsschutzversicherungen sehen eine Selbstbeteiligung vor. Das ist der Betrag, den Sie pro Versicherungsfall selbst zahlen - unabhängig davon, wie hoch die Gesamtkosten sind. Die Versicherung übernimmt alles darüber hinaus, bis zur vereinbarten Deckungssumme.

Die Höhe der Selbstbeteiligung beeinflusst direkt Ihren Jahresbeitrag: Wer bereit ist, einen höheren Eigenanteil zu tragen, zahlt weniger im Jahr. Wer im Schadensfall möglichst wenig selbst beisteuern möchte, zahlt einen etwas höheren Beitrag.

Welche Selbstbeteiligung für Ihre Situation sinnvoll ist, hängt davon ab, wie häufig Sie mit rechtlichen Fragen zu tun haben und wie komfortabel Sie mit dem finanziellen Restrisiko sind. Das besprechen wir im Beratungsgespräch konkret.

5. ARAG-Leistungsdetails: was für Sie gilt

Die oben beschriebenen Punkte sind allgemeingültige Grundsätze, die für Rechtsschutzversicherungen in Deutschland typisch sind. Was genau in Ihrem ARAG-Tarif abgedeckt ist - welche Deckungssummen gelten, ob Mediation eingeschlossen ist, welche Selbstbeteiligung vereinbart wird und ob zusätzliche Bausteine wie Auslandsrechtsschutz oder Internetrechtsschutz sinnvoll sind - klären wir mit Ihnen im persönlichen Gespräch.

Kein Tarif passt auf jeden gleich. Als gebundener Versicherungsvertreter der ARAG SE kennen wir das Produktportfolio im Detail und finden mit Ihnen die passende Lösung - ohne Zeitdruck.

Mehr zu den versicherten Lebensbereichen: Privatrechtsschutz im Überblick. Fragen zu typischen Situationen: unsere FAQ.

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Wir erklären Ihnen genau, welche Leistungen und Deckungssummen für Ihre Situation passen - und was Ihr konkreter ARAG-Schutz abdeckt.

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